Richtig Mülltrennen für die Zukunft: Die Abfallverwertung Augsburg

Mülltrennen für den Klimaschutz: Gerald Guggenberger, Technischer Leiter der Abfallverwertung Augsburg erklärt im Interview, wie jede Augsburgerin und jeder Augsburger durch richtiges Mülltrennen einen Teil dazu beitragen, Augsburg gemeinsam nachhaltig zu machen.

Wir Deutschen sortieren gern: Müll zum Beispiel trennen wir schon seit gut 30 Jahren. Wahrscheinlich genauso lange halten sich verschiedene Mythen der Mülltrennung. „Am Ende wird doch eh alles verbrannt“ gehört beispielsweise in diese Kategorie. Einer, der es besser weiß, ist Gerald Guggenberger, Technischer Leiter der Abfallverwertung Augsburg (AVA). „Restmüll wird bei der AVA verbrannt, das stimmt schon. Aber wer richtig Müll trennt, hilft mit, die CO2-Emissionen zu reduzieren“, klärt er auf.

Denn durch das richtige Trennen von Müll kann man die einzelnen Rohstoffe wieder verwenden. „Da sprechen wir nicht nur von recyceltem Glas oder Papier. Auch wichtige Elemente, wie etwa Phosphor aus Bioabfällen, gelangen so wieder in die Umwelt“, erläutert der Verwertungs-Experte. Denn die Abfälle aus der braunen Tonne kommen in eine sogenannte Bioabfallvergärungsanlage. Dort entsteht wertvoller Humus sowie ein flüssiges Düngemittel, mit denen die Felder in der Region mit Nährstoffen versorgt werden können.

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Deswegen ist es auch so wichtig, nur kompostierbare Abfälle in die braune Tonne zu schmeißen: „Es gibt zwar inzwischen biologisch abbaubares ,Plastik‘, aus Maisstärke zum Beispiel. Das braucht aber viel länger als Biomüll zum Zersetzen und wird während der Verweilzeit in der Anlage nicht abgebaut“, betont Guggenberger. Damit gelangt dieses Plastik gemeinsam mit dem Humus auf die Felder. Für den Abbauprozess sind Feuchtigkeit und Wärme notwendig. Hier sprechen wir von Temperaturen über 45°C. „Da diese Bedingungen auf den Feldern nicht gegeben sind, werden wir vergeblich warten, bis sich das sogenannte biologisch abbaubare Plastik dort zersetzt.“ Deswegen: Was wie Plastik aussieht, gehört nicht in die Biotonne.

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Biogas aus unserem Bioabfall

Um den Müll richtig zu trennen, darf man also nur pflanzliche Abfälle in der braunen Tonne entsorgen. Die Abgase, die beim Zersetzen der Bioabfälle in der Vergärungsanlage entstehen, bestehen zu zwei Dritteln aus Methan, der Rest ist im Wesentlichen Kohlenstoffdioxid. In einer nachgeschalteten Membrananlage werden die Gase getrennt. Während das so gewonnene Methan über eine Rohrleitung in das lokale Erdgasnetz der Stadtwerke Augsburg (swa) als klimaneutrales Biogas eingespeist wird, wird das CO2 an ein Unternehmen weiterverkauft. Von den Kunden wird CO2 beispielsweise für die Produktion von Trockeneis, das vor allem für Reinigungszwecke benötigt wird, verwendet. „Um Methan- oder CO2-Emissionen in die Atmosphäre zu vermeiden, werden die Hallen der Bioabfallvergärungsanlage abgesaugt. Dieser Luftstrom wird dem Abfallheizkraftwerk als Verbrennungsluft zugeführt.“

Die Kreislaufwirtschaft

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich, den eigenen CO2-Fußabdruck möglichst gegen Null zu bringen“. Das gelingt laut Guggenberger mit einer funktionierenden „Kreislaufwirtschaft“, wie sie am Beispiel die Bioabfallvergärungsablage dargestellt wurde. Aus Bioabfall werden Humus und Flüssigdünger, die vor Ort für nährstoffreiche Böden und Pflanzenwachstum sorgen. Das aus dem Bioabfall gewonnene Biogas ist zu 100 Prozent klimaneutral, es kann im Erdgasnetz gespeichert und bei Bedarf genutzt werden.

„Da sich die Erzeugung von Müll wahrscheinlich nicht vermeiden lässt, ist die richtige Trennung umso wichtiger. Nur so können die im Müll enthaltenen Wertstoffe wieder genutzt werden.“

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Der Grundsatz der Kreislaufwirtschaft wird auch im Abfallheizkraftwerk der AVA deutlich. Mit der bei der Müllverbrennung entstehenden Wärme wird Wasser zu Dampf erhitzt und über zwei in Reihe betriebene Turbinen geleitet. Dabei wird nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme erzeugt. Der Strom wird zur Deckung des Eigenbedarfs der AVA genutzt, darüber hinaus wird er in das Netz der swa eingespeist. Damit können rund 17.000 Einfamilienhäuser mit Elektrizität versorgt werden. „Und mit der erzeugten Fernwärme können die Bürger wiederum zuhause heizen“, freut sich Guggenberger über die Kreislaufwirtschaft. Denn rund ein Drittel der Fernwärme, die die swa in die Augsburger Heime bringen, kommt aus den Anlagen der AVA.

Zudem kommt die Kreislaufwirtschaft am Ende des Prozesses zum Tragen. Hier werden aus der Schlacke, also das was vom Müll nach dem Verbrennen übrigbleibt, Metalle zurückgewonnen. „Rund 7.000 Tonnen Metalle (entspricht mehr als zehn Prozent der jährlich anfallenden Schlackemenge) werden da jährlich aussortiert und zurück in die Industrie geführt. Dabei handelt es sich vor allem um Eisen, Aluminium und Kupfer“, verrät Guggenberger.

Fotos: swa/Bernd Jaufmann

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