Von der Pferdebahn zur Mobilitätsdrehscheibe: Gleise und Linien

Das Schienennetz in Augsburg hat sich, seitdem die elektrische Straßenbahn unterwegs ist, immer wieder geändert. Die Linien wurden dabei immer an die aktuelle Zeit und die Bedürfnisse der Bürger*innen angepasst.

Als die elektrische Straßenbahn im Jahr 1898 in Betrieb ging, war das Schienennetz rund 14,4 Kilometer lang. Für die damaligen Verhältnisse war das viel. Sechs Jahre später ging dann bereits der Ausbau los. Eine neue Route wurde vom Klinkertor über den Königsplatz bis zur Infanteriekaserne im Stadtteil Hochfeld eröffnet. Das erste Doppelgleis wurde ein Jahr später vom Kö zum Moritzplatz verlegt. 1908 schaffte die Pferseer Unterführung eine Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Augsburger Süden. Die entstandenen Strecken wurden in den nachfolgenden Jahren entweder verlängert oder verlagert. Bis dahin fuhren vier Linien durch Augsburg, allerdings ohne Nummer. Erst 1913 wurden sie nummeriert, die Signalbeleuchtung in unterschiedlichen Farben behielt man aber bei. So konnten auch diejenigen, die nicht lesen konnten, erkennen, in welche Linie sie steigen mussten.

St. Anna-Straße: Bitte bremsen

Die Straßenbahnen mussten zu Beginn auch einige kritische Stellen während der Fahrt bewältigen. In Kurven und an Engstellen, wie beispielsweise in der Philippine-Welser-Straße, in der St. Anna-Straße sowie am Predigerberg mussten die Straßenbahnen ihre Geschwindigkeit deutlich absenken. Deshalb wurde im Jahr 1905 die Strecke über den St. Anna-Platz eingestellt, da hier die Straße teilweise nur 4,54 Meter breit war.

Die Stadt übernimmt die Straßenbahn

Im Jahr 1906/1907 wurden die ersten Stimmen laut, dass die Stadt die Straßenbahn übernehmen möchte. Im Jahre 1908 wurde dann ein Übernahmevertrag unterzeichnet: Aus der Augsburger Elektrischen Straßenbahn A.-G. wurde die „Städtische Straßenbahn Augsburg“. Die Aufgabe für die neuen Eigentümer war es, die bereits abgefahrenen Gleise zu erneuern und auch die Straßenbahnflotte zu modernisieren. Der Königsplatz bildete ab 1905 den Dreh- und Angelpunkt des Stadtverkehrs. Hier führten alle vier Linien zusammen.

Entwicklung der Linien

1898 umfasste das Straßenbahnnetz vier Strecken und verbanden die Augsburger Stadtteile in alle vier Himmelsrichtungen. Diese führten von Lechhausen nach Pfersee, von Oberhausen nach Göggingen, vom Königsplatz zum Roten Tor und vom Perlach zur Haunstetter Straße.

1915 ging die neue Linie 5 vom Senkelbach zur Barfüßerbrücke in Betrieb, 1920 folgte die Linie 6, die vom Perlach bis zur Hochzoller Brücke führte. In den 20er Jahren stand der zweigleisige Ausbau der Strecken im Vordergrund. 1947 erreichte die verlängerte Linie 1 Stadtbergen. Bis ins Jahr 1959 waren insgesamt sechs Straßenbahnlinien in Augsburg unterwegs: Die 1er verkehrte zwischen Lechhausen und Stadtbergen, die 2er zwischen Kriegshaber und Göggingen. Die Linien 3 (im Winter) und 4 pendelten zwischen Oberhausen und Haunstetten, die 5er fuhr vom Senkelbach zum Roten Tor und die 6er von Hochzoll zum Hauptbahnhof, einzelne Wagen im Winter bis Pfersee.

Da man aber ab den 50er Jahren verstärkt auf Omnibusse setzte, wurden 1960 die Straßenbahnlinien 5 und 6 stillgelegt. Mitte der 70er Jahre galten der Umbau des Königsplatzes und 1994 die Verlängerung der Linie 1 bis zum Neuen Ostfriedhof als Meilensteine. Zwei Jahre später folgten ein zweigleisiger Ausbau der 2er und der Neubau der Linie 3 bis zur Inninger Straße.

2001 schließlich wurden die Linie 4 bis Augsburg Nord und die 2er bis Augsburg West verlängert.

Linie 3 und Linie 5 – es geht vorwärts

Aktuell sind fünf Straßenbahnlinien in Betrieb. Die Linienplanungen der Stadtwerke Augsburg (swa) gehen jedoch weiter. Mit der Straßenbahnlinie 3 wird noch in diesem Jahr (Herbst 2021) eine schnelle und nachhaltige Verbindung zwischen den Nachbarstädten Augsburg und Königsbrunn hergestellt. Die ersten Gleise wurden bereits verlegt und die Bauarbeiten sind in vollem Gange.

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Die neue Strecke ist rund 4,6 Kilometer lang, von denen 1,9 Kilometer auf Augsburger Flur liegen. Neben zwei bestehenden Haltestellen, die umgebaut werden, werden sechs Haltestellen neu angelegt. Geplant ist, dass der Streckenabschnitt nach Königsbrunn von der Tram in der Regel im 15-Minuten-Takt befahren wird, am Wochenende in der Nebenverkehrszeit alle 20 beziehungsweise alle 30 Minuten.

Die neue Straßenbahnlinie 5 soll als Teil der Mobilitätsdrehscheibe zukünftig eine schnelle Verbindung zwischen der neuen Uniklinik, den westlichen Stadtteilen und dem Hauptbahnhof sowie der Innenstadt schaffen.

Fotos: swa

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