Gemeinsam nachhaltig: Gleichgewicht im Augsburger Stadtwald

Drei Säulen sind es, auf die sich das Thema Nachhaltigkeit stützt. Im Augsburger Stadtwald arbeitet Jürgen Kircher, Leiter des Augsburger Stadtforstamtes, daran, das ökonomische, ökologische und soziale Gleichgewicht stets zu bewahren.

Nachhaltigkeit kann so vieles heißen. Vom Konsum, über unser Verhalten bis zum wirtschaftlichen Aspekt, nachhaltig ist im Moment ein viel gehörtes Wort. „Für mich heißt Nachhaltigkeit vor allem eines: Balance“, definiert Jürgen Kircher, Leiter des Stadtforstamtes, den Begriff für sich. „Ob im Privaten oder im Augsburger Stadtwald: Für die Nachhaltigkeit brauchen wir ein Gleichgewicht aus Ökonomie, Ökologie und Sozial-Gesellschaftlichem.“

Drei Säulen tragen die Nachhaltigkeit

Die drei Begriffe bilden die zentralen Punkte im sogenannten Drei-Säulen-Prinzip. Diese Theorie geht davon aus, dass eine nachhaltige Entwicklung nur möglich ist, wenn umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Ziele gleichberechtigt umgesetzt werden können, wenn also ein Gleichgewicht besteht. „Besonders den sozialen Faktor vergisst man in der Nachhaltigkeitsdiskussion gern“, stellt der Förster fest. Meistens wird dieser soziale Faktor mit Hinblick auf unsere Nachfahren definiert: Wir möchten keine irreversiblen Veränderungen an der Welt vornehmen, die den nächsten Generationen missfallen könnten. Aber auch der eigene Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen kann nachhaltig sein, findet Jürgen Kircher. Er selbst wohnt auf dem Land, Teil der Dorfgemeinschaft zu sein ist ihm sehr wichtig. „Eine gute Nachbarschaft ist gut für die Laune und das Zusammenleben. Auch sich in einem Verein engagieren, kann zu einem bewussten und nachhaltigen Leben dazugehören“, betont er die Wichtigkeit von einem guten Verhältnis miteinander.

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Wer in den Wald geht, muss die Regeln kennen

Der soziale Aspekt ist auch in Bezug auf das Gleichgewicht im Augsburger Stadtwald nicht unwichtig. „Ein nachhaltiger Wald ist auch ein Wald, in dem man sich erholen und durchatmen kann. Er soll zugänglich für Besucher sein und das für die nächsten Jahrzehnte und länger“, erklärt der Förster. Aber auch ein bewusster Umgang mit der Natur und dem Wald sei wichtig. „Wir beobachten, dass immer mehr Menschen in den Wäldern unterwegs sind. Aber vielen fehlt das Hintergrundwissen dazu: Wo darf ich meine Picknickdecke ausbreiten und wie gefährlich ist es hier bei einem Gewittersturm?“ Auch, dass man im Wald kein Feuer machen darf, scheint einigen Menschen nicht bewusst zu sein: Bereits zwei Waldbrände gab es in diesem Jahr. Außerdem habe mit dem Anstieg an Besuchern während der Pandemiezeit auch der zurückgelassene Müll extrem zugenommen. Früher leerten die Mitarbeiter des Forstamtes die Mülleimer im Siebentischwald einmal in der Woche, heute sind sie zweimal dort und sammeln oft das Vierfache ein. „Prinzipiell wäre es gut, wenn jeder seinen Abfall wieder mit nachhause nehmen würde. Aber so lange der Müll im Eimer landet, ist das schon ok. Nur der ,wilde' Müll, der nervt richtig. Sowas kann ich einfach nicht verstehen“, betont Jürgen Kircher.

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Das Gleichgewicht im Augsburger Stadtwald

Auf die Natur müsse man stets aufpassen, so der Forstamtsleiter. Diese bewusste Achtsamkeit spielt auch in die zweite Säule der Nachhaltigkeit mit rein: die Ökologie. Sie orientiert sich an einer Lebensweise, die die natürlichen Ressourcen nur so weit verbraucht, wie sie auch wieder nachwachsen. Diese Auslegung von Nachhaltigkeit geht zurück auf die ursprüngliche Verwendung des Begriffs vor rund 300 Jahren. Die dritte Säule ist schließlich die Ökonomie. „Nach mir die Sintflut können wir uns nicht mehr leisten. Wir müssen mit dem, was die Erde uns gibt wirtschaften, sonst werden unsere Kinder und die nächsten Generationen nichts mehr haben“, gibt der Naturliebhaber zu bedenken. Zu tun gäbe es noch eine Menge, findet er. In Sachen Mobilität zum Beispiel, aber auch bei alltäglichen Anschaffungen. „Bei allem, das aus Holz ist, sollte man sich informieren, wo das Holz herkommt. Schließlich haben wir wunderbares Holz vor der Haustüre, das müssen wir nicht von weit weg aus einem Regenwald importieren“, so der Förster. In Augsburg werden sogar die Wald-„Abfälle“ regional weiterverarbeitet: Das Biomasse-Heizkraftwerk der swa ist gleich um die Ecke, dort wird aus den Laub- und Holzresten CO2-neutrale Energie in Form von Fernwärme und Strom. Regionaler und nachhaltiger heizen, ist also kaum möglich.

Teil 1 des Interviews mit Jürgen Kircher lesen

Fotos: swa / Bernd Jaufmann

Gemeinsam nachhaltig: Forstamtsleiter Jürgen Kircher
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