Wasser mit Geschichte

Das Volk geht so lange zum Brunnen ... bis jeder seinen Wasserhahn hat.

In Augsburg spielt Wasser seit jeher eine wichtige Rolle. Zwischen Lech und Wertach wurden die vielen Nebenflüsse, Bäche und Kanäle über Jahrhunderte hinweg zur Gewinnung von Brauchwasser genutzt. Die systematische Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser begann allerdings erst im ausgehenden Mittelalter, geprägt von Erfindergeist und technischen Höchstleistungen.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert – die ersten Wasserwerke

Bis ins Jahr 1412 reicht die Geschichte der Trinkwasserversorgung in Augsburg zurück. Der Werkmeister Leopold Karg gilt als Pionier der Augsburger Trinkwasserversorgung. Damals erbaute er das erste Wasserwerk am Schwibbogentor und leitete das direkt neben dem Stadtgraben geförderte Wasser in öffentliche Brunnen, welches dort der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung stand. Bereits vier Jahre später errichtete der Ulmer Meister Hans Felber beim Roten Tor den „Großen Turm“ samt Pumpenanlage. Von hier wurde das „Röhr-Wasser“ über etwa 5.000 Holzdeicheln – längs durchbohrte Baumstämme – bis in die Kreuzstraße geleitet. Ab 1560 stand Trinkwasser auch Privathaushalten zur Verfügung und bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gab es innerhalb der Stadtmauern ein voll ausgebautes Wasserverteilnetz.

Der „Stadtbrunnen und geschworene Amts-Werck-Meister“ Caspar Walter vermerkte 1754 in seiner Schrift Hydraulica Augustana: „... des heiligen Reichs Stadt Augspurg hat schon vor etlichen Säculis aus rühmlicher Sorgfalt für das gemeine Besteden Bedacht genommen auf eine bequemliche Weiß die Bürgerschaft mit nöthigem Röhr-Wasser zu versehen und deßwegen von Zeit zu Zeit kostbare Wercke anzulegen und in Stand zu stellen.“ Dieses Bewusstsein für den Ausbau und die Pflege des Wasserversorgungsnetzes gehört auch heute noch zu den Grundprinzipien der Wasserversorgung.

Weitsichtige Entscheidung für den Siebentischwald

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden verstärkt Probleme mit den fünf Brunnenwerken. Die Trinkwasserversorgung litt unter unzureichenden Druckverhältnissen und hygienischen Mängeln. Lediglich das obere Brunnenwerk am Roten Tor, das sein Wasser aus der Bandelsquelle erhielt, entsprach den Trinkwasseranforderungen. Das Brunnenwerk am Vogeltor und das untere Brunnenwerk bei den Sieben Kindeln erhielten qualitativ minderwertiges Wasser aus einem Gebiet nahe dem Stadtgraben. Schädliche Infiltrationen wurden auch beim oberen Jakoberbrunnenwerk festgestellt, dessen Werkanlage ebenso sanierungsbedürftig war wie die des unteren Jakoberbrunnenwerks.

In der Folge beschloss man den Bau eines komplett neuen Brunnenwerks außerhalb der Stadtmauern, um damit auch die technische Leistung zu verbessern, denn die Gesamtleistung der fünf Brunnenwerke betrug 1.382 Steften (4.146 l/min) – zu wenig für eine prosperierende Industriestadt. Diese Entscheidung legte den Grundstein für das erste Wasserwerk im Siebentischwald – und symbolisiert damit den Beginn der modernen Wasserversorgung in Augsburg.

Beginn der modernen Wasserversorgung: Das Wasserwerk am Hochablass

Mit der Inbetriebnahme des Wasserwerks am Hochablassim Jahre 1879 begann in Augsburg die moderne Wasserversorgung, die sich bis heute durch naturreines und hygienisch einwandfreies Trinkwasser auszeichnet.

Das Wasserwerk am Hochablass ist weit über die Grenzen Augsburgs hinaus bekannt. Das teils auf Pfahlrosten gegründete Werk ist eines der bedeutendsten Industriedenkmäler und einzigartig in Deutschland. Das neoklassizistische Bauwerk beherbergte bereits damals in seinem großen Maschinensaal innovative Technik, die von der Maschinenfabrik Augsburg (Vorläufer der heutigen MAN) geliefert wurde: eine Wasserversorgung ohne Wassertürme.

Drei Doppelkolbenpumpen, von je einer Wasserturbine angetrieben, saugten das Trinkwasser aus einem Bassin im Keller an und drückten es über Druckwindkessel ins Rohrnetz. Eine dieser Pumpen wurde wieder instandgesetzt und so kann man auch heutzutage die großen Zahnräder und die imposanten Pleuelstangen bei ihrer Arbeit bewundern. Bis 1973 wurde die Wasserkraft genutzt, um die großen Trinkwasserpumpen mechanisch anzutreiben, jetzt wird damit umweltfreundlicher Strom erzeugt, mit welchem die elektrischen Pumpen in den Wasserwerken und in den Brunnen gespeist werden.

Im Jahr 2007 zog die moderne Trinkwassertechnik in die dem Hauptportal gegenüberliegende Übergabestation um. Diese sorgt nun für die Qualitätskontrolle und die Verteilung des Trinkwassers aus dem Gewinnungsgebiet Hochablass.

Sicher ist sicher: Das Wasserwerk am Lochbach

Die zerstörerische Kraft des Wassers spürte Augsburg beim Hochwasser am 15. Juni 1910: das Hochablass-Wasserwerk konnte gerade noch dem reißenden Lech standhalten, während das benachbarte Hochablasswehr in die Fluten stürzte. Die damalige Hochwasserkatastrophe veranlasste den Augsburger Magistrat, zur Sicherheit ein zweites Wasserwerk am Lochbach zu bauen. 21 Brunnen, die auf zwei Kilometer Breite wie an einer Kette quer im Grundwasserstrom aufgereiht sind, sowie sieben weitere Brunnen beliefern heute dieses Werk. Die Förderleistung der Anlage liegt bei bis zu 500 Litern pro Sekunde.

Die neueren Wasserwerke

1948 folgte das Wasserwerk in der Meringerau Nord. Seit 1972 sind zwei Tiefbrunnen in Leitershofen in Betrieb und bilden zusammen mit dem Hochbehälter das Wasserwerk Leitershofen. In den letzten Jahren wurde die Wasserversorgung erweitert durch die Wasserwerke Siebenbrunn, Meringerau Süd I und II und Lochbach II, die alle mit Druckerhöhungsanlagen und Wasserqualitätsmessung ausgestattet sind.

Bild: vmm wirtschaftsverlag / Bernd Jaufmann

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