Preistreiber Energiehunger

Die Energiepreise ziehen an. Wie die Entwicklung weitergeht und ob sie noch weiter steigen, weiß Ulrich Längle, Vertriebsleiter bei den swa.

Herr Längle, warum steigen die Energiepreise aktuell so deutlich an?

Weil viele Unternehmen während der Corona-Pandemie ihre Produktion zurückgefahren haben, wurde auch weniger Erdgas gefördert. Zum Problem wurde das, als die Volkswirtschaften weltweit mit einem unterschiedlichen Tempo wieder anliefen: Asien und China beispielsweise sind viel schneller gestartet als die EU oder die USA – und das mit einem enormen Energie­hunger. Jetzt fahren auch Europa und die USA ihre Wirtschaften wieder hoch. Das treibt die Nachfrage nach Erdgas weiter an – doch das Angebot ist nach wie vor niedrig. Die Erdgasspeicher, die normalerweise zu dieser Zeit etwa zu 90 Prozent gefüllt sind, liegen aktuell bei etwa 70 Prozent. Betreiber, die ihre Speicher jetzt füllen möchten, müssen derzeit etwa 400 Prozent mehr für Erdgas bezahlen als noch vor sechs bis acht Monaten. Und da China aktuell bessere Preise bezahlt, fahren die Tanker, die Flüssiggas geladen haben, tendenziell eher dort hin als nach Europa. Ein zweites Thema ist die Pipeline Nord Stream 2, die etwa sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Europa transportieren und damit für Entlastung sorgen könnte. Sie ist fertig und könnte loslegen – doch die Genehmigungen der deutschen und europäischen Behörden stehen aktuell aus. Das könnte sich sogar noch bis in den April nächsten Jahres hineinziehen.

Was treibt den Strompreis nach oben?

Der hohe Strompreis hat ähnliche Ursachen: Auch hier sind die hohen Preise für Kohle und Gas ein Preistreiber. Schließlich produzieren wir noch immer einen Großteil unseres Stroms aus fossilen Energieträgern. Außerdem steigt der CO2-Preis deutlich. Auch das wirkt sich negativ auf den Strompreis aus, da Ausgleichszertifikate gekauft werden müssen. Zudem war in diesem Jahr der Wind eher flau und die Sonne schien auch nicht besonders viel. So wurde zusätzlich wenig Strom aus Erneuerbaren produziert.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie? Werden die Preise noch weiter steigen?

Ich denke, wir werden die Spitze des Eisbergs im Januar erreichen. Die Preise werden sich dann einpendeln – allerdings auf einem hohen Niveau. Noch spüren unsere Kunden das nicht. Denn die Entwicklung an den Strombörsen macht sich zeitverzögert bei den Haushalten und Unternehmen bemerkbar. Unsere Kunden müssen also leider zum Jahreswechsel mit einer Preisanpassung rechnen. Durch unsere langfristige Einkaufsstrategie sind die Preissteigerungen allerdings zum Teil deutlich geringer, als bei anderen Anbietern.

Man liest immer wieder, dass auch der Ausbau der erneuerbaren Energien ein Preistreiber sei. Ist da was dran?

Im Gegenteil: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist der Lösungsweg raus aus dem Preisdilemma. Denn je mehr Energie Wind und Sonne erzeugen, desto mehr machen wir uns unabhängig vom Gas- und Kohlepreis.

Foto: swa / Thomas Hosemann

Kontakt
swa_Bildmarke.jpg.jpg
Kundencenter
Beratung
Telefon: 0821 6500-6500
Fax: 0821 6500-14415
Störung melden

Sie möchten uns eine Störung melden? Hier erreichen Sie unseren Entstördienst.
Wir sind 24 Stunden für Sie erreichbar!

Bitte beachten Sie, dass die Telefonate zu Protokollzwecken aufgezeichnet werden.

Erdgas0821 6500-5500
Strom0821 6500-6600
Fernwärme0821 6500-5555
Trinkwasser0821 6500-6655