„Auf dem Nol“ die Kante geben

Sagen wir es so: Robert Edwin Peary hatte einfach Pech. Kein Smartphone mit Kamera in der Tasche, kein GPS zur Hand und dann auch noch ziemlich unsaubere, handschriftliche Aufzeichnungen. Seine Behauptung, am 6. April 1909 zusammen mit einer kleinen Expedition als erster den geografischen Nordpol erreicht zu haben, löste sich im Lauf der Zeit und unter sorgfältiger Prüfung durch Fachleute in Nichts auf. Besser gesagt: Sie schmolz dahin wie Eis in der Sonne.

Wo zuvor Eis war …

Was zum Vorschein kommt, wenn Eismassen andernorts schmelzen, ist im Voralpenland südlich von Augsburg zu sehen. Weite Ebenen, hin und wieder durch kleine Anhöhen und Erhebungen geschmückt. Diese hießen in der Sprache, die in deutschen Landen vor rund tausend Jahren gesprochen wurde – dem „Mittelhochdeutschen“ – entweder „Nol“ oder „Nel“, was gleichbedeutend ist mit „Spitze“ oder „Scheitel“. Vielleicht hatten sie vorher ja schon andere Namen, aber erst nach dem Jahr 1000 begannen die Menschen auch, Ortsnamen und Flurbezeichnungen regelmäßig in Karten und Urkunden zu verzeichnen.

… sollten heute Hügel sein

So auch in Haunstetten, wo eine Flur im Westen der Ortschaft den Namen „Nol“ erhielt. Wer heute dort an der Haltestelle „Auf dem Nol“ seinen Blick schweifen lässt, wird sich wundern. Wundern darüber, wo hier denn eine Anhöhe sein soll. Was aus der Landschaft herausragt, das sind Bürogebäude und Werkshallen. Allenfalls den Damm, drüben zur B17, könnte man mit gutem Willen als „Scheitel“ bezeichnen. Aber den gab’s zur mittelhochdeutschen Zeit ja noch nicht.

Auf Spurensuche nach dem Nol

Allerdings sprechen glaubwürdige Indizien dafür, dass es hier einmal etwas gegeben haben muss, was höher war als die Umgebung. Denn parallel verläuft ein „Unterer Talweg“, nördlich davon gibt es eine Straße „Im Tal“ – und wo es Täler gibt, da müssen ja auch irgendwo Berge (gewesen) sein. Geologen und Orts-Historiker verweisen denn auch auf eine „Hangkante“ zwischen der „Augsburger Hochterrasse“ und der „Haunstetter Niederterrasse“. Das ist eine kleine Stufe in der „Lechfeld“ genannten Ebene zwischen Lech und Wertach. An dieser Stufe, dem heutigen Haunstetten, siedelten vor vielen Jahren erste Menschen. Wir sprechen da von der Zeit zwischen 2200 und 800 v. Chr., gemeinhin auch „Bronzezeit“ genannt und im Grundbuch nicht zuverlässig verzeichnet. Doch die Erinnerung lebt, der Buslinie 25 sei Dank.

Ein einzigartiger Name

Kurios an der Haltestelle „Auf dem Nol“ ist neben ihrem Namen auch noch ihre Lage. Denn sie befindet sich im Unteren Talweg – einer relativ langen Straße, in der es noch eine weitere Haltestelle gibt, die „Sportplatzstraße“, so benannt nach der angrenzenden „Bezirkssportanlage Haunstetten“. Die Namensgebung leuchtet allerdings ein: „Unterer Unterer Talweg“ und „Oberer Unterer Talweg“ wären keine wirkliche Alternative – und Augsburg um einen wirklich einzigartigen Haltestellennamen ärmer.

Bild: vmm wirtschaftsverlag/Ulrich Pfaffenberger

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