„Am Wachtelschlag“ zwitschert’s gewaltig

Vogelgezwitscher oder doch etwas anderes? Was man an Geräuschen „Am Wachtelschlag“ vernimmt, hat mit dem Namen der Haltestelle wenig zu tun.

Zwei Dutzend Kleingärten hat es in der „Anlage Am Wachtelschlag“ mitten im Stadtteil Bärenkeller. Ein lauschiges Idyll, wäre da nicht in regelmäßigen Abständen dieses auffällige Zwitschern. Erst ganz leise und fern erklingend, schwillt es zu einem kraftvollen Ton an, der, wie von Sturmwind begleitet, hinter den Hecken der Gärten vorüberbraust, um sich dann wieder in der Ferne zu verlieren. Nein, Vögel sind’s nicht, die für diesen Sound verantwortlich sind, am allerwenigsten Wachteln. Es sind die ICEs, Intercitys, Regionalexpresse und Anverwandte, die da im Fahrplantakt ihr typisches Klangbild verbreiten, wobei Verwirbelungen im Luftstrom das Zwitscher-ähnliche Geräusch verursachen.

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Viele Nester, keine Vögel
Die Gartenanlage nun hat ihren Namen von der gleichnamigen Straße „Am Wachtelschlag“. Die erste Vermutung legt in Verbindung mit der Ortsangabe „Am“ nahe, dass damit eine Wachtel-Behausung gemeint ist. Nestbezeichnungen wie „Eulenhorstweg“ und der „Adlerhorstweg“ nur wenige Schritte entfernt deuten darauf hin. Wer allerdings die hübschen Ziervögel in einen „Schlag“ gesperrt hat, wie den „Taubenschlag“ zum Beispiel, der war auf dem Holzweg (kommen wir gleich noch einmal darauf zu sprechen). Wer sich rund um die Haltestelle umsieht, wird zwar das eine oder andere Vogelhäuschen sehen. Vor allem aber jede Menge menschliche Unterkünfte, vor allem die bekannten Siedlungshäuser, die den Bärenkeller prägen. Aber diese dienen weniger unseren gefiederten Freunden – auch wenn die Straßennamen in der Umgebung anderes vermuten lassen. Nach Habichten, Finken und Sperbern sind da Wege benannt, nach Amsel, Zeisig, Stieglitz, Meisen und sogar dem Dompfaff.

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Ein musikalisches Intermezzo
Die meisten dieser Wege und Straßen münden in den, siehe oben, „Holzweg“. Womit wir wieder in der Klangwelt der gefiederten Sänger und ihrem Lied angekommen sind, das von Vogelkundigen „Wachtelschlag“ genannt wird. Das so wohlklingend ist, dass der große Komponist Franz Schubert ihm sogar ein eigenes Stück gewidmet hat:

„Ach! mir schallt's dorten so lieblich hervor:
Fürchte Gott, fürchte Gott!
Ruft mir die Wachtel ins Ohr.
Sitzend im Grünen, von Halmen umhüllt,
Mahnt sie dem Horcher im Saatengefild…“

Halme und Saaten sind, trotz Gartenanlage, jedoch kein Indiz mehr für die Anwesenheit von Wachteln. Im Gegenteil. Während wir, auf den 21er-Bus wartend, Schuberts Melodie vor uns hin pfeifen, singt uns eine noch ganz andere Spezies von Vogel ihr Lied: Sanft brummend schwebt über den Baumgipfeln eine Cessna der Landung in Mühlhausen entgegen.

Bild: Ulrich Pfaffenberger

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