Augsburger Straßenzüge: die Jakoberstraße

Augsburg ist vielfältig und bunt. Dazu tragen vor allem die einzelnen Stadtteile mit ihren unterschiedlichsten Bewohnern und Geschichten bei. Wir haben uns auf die Suche nach ungewöhnlichen Geschichten, kuriosen Gebäuden und interessanten Menschen in den Straßen von Augsburg gemacht.

Zu einem dieser speziellen Orte in Augsburg zählt die Jakoberstraße, die in der Jakobervorstadt liegt. Wer durch das Jakobertor die Jakoberstraße betritt, dessen Blick fällt als erstes auf eine Kirche, die augenscheinlich die Straße in zwei Hälften teilt: die evangelische Jakobskirche. Sie ist der Mittelpunkt der Straße und Namensgeber unter anderem für den Jakobsplatz, die Jakobermauer oder den Jakoberwall. Der Name der Kirche geht auf Jakobus zurück, der ein Jünger Jesu war und als Märtyrer starb. Die Legende besagt, dass die Leiche des Jakobus mit einem Schiff von Engeln übers Meer nach Spanien gebracht wurde. Seither ist die sogenannte Jakobsmuschel das Schutzsymbol und Erkennungszeichen der Pilger. Für die Pilger ist die Jakobskirche eine wichtige Station: Hier finden bis zu sechs Pilger in einer kleinen Wohnung kostenlos ein Bett für die Nacht und bekommen außerdem den Stempel für ihr Pilgerheft. Pfarrer der Jakobskirche, Friedrich Benning, verteilt die Stempel für den Pilgerausweis: „Den letzten Stempel in Santiago de Compostela bekommt nur, wer bis dahin mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder Pferd oder mindestens 200 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt hat.“

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Jeden Mittwoch veranstaltet Pfarrer Benning vor der Kirche am Jakoberbrunnen ein Treffen. Bei Kaffee und Kuchen sollen die Menschen ins Gespräch kommen – und das funktioniert auch! Seit neuestem steht an der Kirchenecke neben dem Brunnen ein weißes Klavier, das jeden, der möchte, zum Klavierspielen einlädt. Es ist das sogenannte Königsklavier. Gesponsert wurde es von Sabine Hoffmann. Sie ist Inhaberin des Dessous-Ladens, der sich gegenüber der Jakobskirche befindet. Auch sie hat eine Verbindung zur Jakobskirche, denn bei ihr erhalten die Pilger ihren Stempel, wenn das Pfarrhaus nicht besetzt ist. Ein Schild an der Kirche mit der Aufschrift „Liebe Jakobspilger, Ihnen ein herzliches Willkommen hier an der Jakobskirche. Der Stempel für Ihren Pilgerausweis ist an folgenden Stellen erhältlich: Fachgeschäft Sabine Hoffmann, Wäsche und Dessous, Jakoberstraße 38“ weist den Pilgern den Weg zu ihr.

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Dessous-Laden von Sabine Hoffmann
Ihren Laden „Mieder + Mode GmbH“ hat Sabine Hoffmann bereits seit 27 Jahren. Sie ist eine feste Instanz in der Jakoberstraße. Durch das Verteilen der Pilgerstempel hat sie schon die ein oder andere kuriose Geschichte mit Pilgern erlebt. „Einmal kam ein Pilger mit einem Esel bei mir vorbei, um einen Stempel abzuholen“, erinnert sich die Ladeninhaberin lachend. Kommen Pilger in ihren Laden, nimmt sie sich immer Zeit und erfragt die Gründe der Pilgerreise. Eine weitere kuriose Geschichte von Pilgern weiß Hoffmann auch noch zu erzählen: „Eine Frau kam mit ihrem Mann und ihrem Hund bei mir in den Laden, um einen Stempel abzuholen. Sie erzählten mir, dass sie nie mehr als zwölf Kilometer am Tag zurücklegen könnten, weil der Hund nicht mehr schaffte. Deshalb säßen sie immer schon ab 12 Uhr in einem Kaffee.“  Sabine Hoffmann gehört in der Jakoberstraße sozusagen zum Inventar. Deshalb bemerkt sie die hohe Fluktuation, die sich in den letzten Jahren in der Straße ergeben hat, und die ihr Sorgen bereitet. Aus diesem Grund engagiert sich Hoffmann im Rahmen des Stadtteilentwicklungskonzepts, das helfen soll, die Straße und ihre alteingesessenen Läden zu erhalten.

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Fuggerei
Ein Stück weiter die Jakoberstaße entlang ist ein echtes Wahrzeichen von Augsburg beheimatet: die Fuggerei. Vor rund 500 Jahren wurde sie von Jakob Fugger ins Leben gerufen und gilt damit als älteste Sozialsiedlung der Welt. Auch heute können Menschen mit geringem Einkommen für 88 Cent Jahreskaltmiete und drei täglichen Gebeten in der Fuggerei wohnen. Im Gespräch mit Astrid Gabler und Wolf-Dietrich Graf von Hundt in der Fuggerei kommen auch hier weitere Informationen ans Licht, die so wohl nur die Wenigsten kennen. So können beispielsweise keine Taxis direkt in die Fuggerei bestellt werden. „Wenn man beispielsweise dem Taxifahrer sagt, er soll in die Saugasse 5 kommen, so kann er die Adresse nicht im System finden. Denn die Saugasse 5 entspricht auf öffentlich zugänglichen Straßenkarten der Adresse Fuggerei 5. Das liegt daran, dass die gesamte Fuggerei Privatgelände ist“, berichtet Astrid Gabler. Eine weitere Eigenheit der Fuggerei macht sich bemerkbar, wenn es ans Zählerablesen geht: „Der Hausmeister, der bereits im Ruhestand ist, übernimmt hier gerne die Arbeit für die normalen Zählerableser. Denn: Die Zähler sind in jeder Wohnung der Fuggerei an einer anderen Stelle verbaut. In der einen Wohnung ist der Zähler im Keller, in der nächsten auf dem Dach. Unser ehemaliger Hausmeister hat da den Durchblick und gibt die Informationen gerne weiter.“

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Jakoberstraße – eine Straße in Bewegung
Aus dem früheren Wohn- und Arbeiterviertel für Handwerker und den Mittelstand sind mittlerweile viele Studenten-, Single- und Kleinhaushalte entstanden. Dies bringt jedoch auch eine hohe Fluktuation mit sich. Wer nun neugierig auf diese spezielle Augsburger Straße geworden ist, der sollte bei seinem nächsten Spaziergang auf jeden Fall die Jakoberstraße besuchen und vielleicht sogar die eine oder andere weitere spannende Geschichte hinter der Straße und ihren Bewohnern entdecken.

Eine Galerie mit weiteren Impressionen aus der Jakoberstraße gibt es hier.

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Fotos: swa/Thomas Hosemann

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