Straßenbahnmodell GT6

Gute Reise, GT6!

Über drei Jahrzehnte lang war der Straßenbahnbetriebshof der Stadtwerke Augsburg (swa) das Zuhause der GT6, einem Straßenbahnmodell, das 1996 nach Augsburg kam. Ihre Reise endet nicht etwa auf dem Schrottplatz, sondern führt weiter hinaus in die Welt.

Ein Klassiker auf Schienen – die GT6

Die GT6 ist ein echter Augsburger Klassiker. Mit über 27 Meter Länge, über zwei Metern Breite und einem Leergewicht von 30 Tonnen hat dieses Modell das Stadtbild in Augsburg über Jahrzehnte geprägt. Sicherlich ist in dieser Zeit so gut wie jeder Augsburger oder jede Augsburgerin einmal in solch einem Wagen gesessen. Nun ist ihre Zeit in Augsburg jedoch vorbei, denn die Straßenbahnen wurden weiter nach Zagreb verkauft und werden dort noch weiterverwendet. „Zum Glück mussten wir bisher noch keine Straßenbahn verschrotten“, berichtet Klaus Röder, Geschäftsbereichsleiter Fahrzeuge bei den Stadtwerken Augsburg. Er ist bereits seit vielen Jahren Teil der swa-Familie und hat schon zahlreiche swa-Straßenbahnen weiterverkauft. „Unsere gebrauchten Bahnen waren immer gefragt – ob in Rumänien, Polen, und jetzt eben auch in Kroatein.“

Straßenbahnmodell GT6

Der Verkauf der alten Straßenbahnen ist aber ein komplexer Prozess. Ähnlich wie beim Kauf einer Straßenbahn muss auch beim Verkauft auf vieles geachtet werden. Dazu gehört eine europaweite Markterkundung, denn relevant sind Verkehrsbetriebe mit der gleichen Spurweite von einem Meter. Viele davon liegen in Osteuropa. So fahren ehemalige swa-Bahnen heute beispielsweise bereits in Rumänien und Polen. Für die GT6-Flotte nahmen die swa an einer europaweiten Ausschreibung für den Verkehrsbetrieb in Zagreb teil – und gewannen. Elf Fahrzeuge wurden verkauft, sieben sind bereits geliefert. Vier bleiben derzeit noch in Augsburg, bis die neuen Tramlink Straßenbahnen vollständig im Einsatz sind.

In 30 Jahren 52-mal um die Erde

Mit 58 Sitzplätzen, 96 Stehplätzen sowie Kinderwagen- und Mehrzweckflächen bot sie täglich vielen Fahrgästen Platz. Mit ihrer elektrodynamischen Bremse konnte die Straßenbahn sogar Energie zurückgewinnen – ein Fortschrittsmodell ihrer Zeit. Rund 60.000 bis 70.000 Kilometer fuhr die GT6 in jedem Jahr. In 30 Dienstjahren kamen so über zwei Millionen Kilometer zusammen. Anders gesagt, ist jedes GT6-Model damit 52-mal um die Erde gefahren. Der Verkauf einer Straßenbahn ist jedoch viel mehr als nur ein Eigentümerwechsel. Jede GT6 wird von den Käuferinnen und Käufern vor Ort abgenommen – inklusive Probefahrten. „Es sind alles Individualanfertigungen. Entsprechend aufwändig ist die Beschaffung – aber auch der Verkauf,“ sagt Röder. In jeder Stadt gibt es andere Gegebenheiten. Daher stellten sich die Fragen „Passt die Bahn in die engen Kurven der Zagreber Altstadt?“ und „Reicht der Lichtraum?“ Gerade in Zagreb war das entscheidend, denn in der Altstadt gibt es einige enge Radien und Straßen. Doch damit alles reibungslos funktioniert, liefern die swa weit mehr als nur die Fahrzeuge. Auch Ersatzteile, Unterstützung bei der Inbetriebnahme, eine technische Beratung oder Fahrer- und Werkstattschulung gehören dazu. Natürlich werden die Bahnen dann noch entsprechend Instand gesetzt und auf Wunsch des Kunden in Blau foliert. „Letztendlich ist das ein Rundumsorglos-Paket, was die Kollegen hier bekommen“, erklärt Röder.

Straßenbahnmodell GT6

Die Tramlink ist da

Die GT6 macht nun Platz für die Tramlink, das neue Straßenbahnmodell der swa. Diese 42 Meter langen Fahrzeuge bieten mehr Platz, mehr Komfort und ein völlig neues Fahrerlebnis. Sie bietet breite Gänge, zwei Multifunktionsflächen für Rollstühle und Kinderwagen sowie sieben Türen für einen schnellen Fahrgastwechsel. Die CO₂-gesteuerte Klimaanlage sorgt für optimale Bedingungen im Fahrzeug. Zudem ist sie mit einem modernen Fahrerassistenzsystem für Gefahrensituationen und Rückspiegelkameras inklusive Totem-Winkel-Assistenten ausgestattet. Die Tramlink geht Mitte April in den Fahrbetrieb und zeigt, was in ihr steckt: leises Fahrverhalten, moderne Technik und viel Platz für bis zu 230 Fahrgäste. Mit der GT6 endet ein Stück Augsburger Verkehrsgeschichte – aber gleichzeitig beginnt etwas Neues. Die neuen schaffen Platz, Zukunft und Komfort in Augsburg.

Fotos: swa/Thomas Hosemann


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