
Hinter den Kulissen bei den swa: Wie ein eBus seinen Weg nach Augsburg findet
Noch steht er nicht einmal auf dem Betriebshof. Kein Fahrgast ist eingestiegen, kein Fahrpersonal hat den Schlüssel gedreht – und doch hat der eBus schon Dutzende Termine hinter sich.
Die Anschaffung eines neuen Busses beginnt nicht mit einem Modellkatalog, sondern mit einem Auftrag: Die Stadtwerke Augsburg (swa) müssen den öffentlichen Nahverkehr zuverlässig betreiben – und dabei Schritt für Schritt auf schadstofffreie Fahrzeuge umstellen. Stichwort eBus. Seit November 2025 sind die ersten Test-eBusse in Augsburg unterwegs. „Der erste Termin zum eBus-Kauf fand schon im Dezember 2024 statt“, beschreibt Ralf Becker, Leiter der Omnibuswerkstatt, den Start eines Prozesses, bei dem viele Bereiche des Unternehmens eng zusammenarbeiten. Die swa erneuern ihre Bus-Flotte aber nicht nur aufgrund von Vorgaben. Auch der Altersschnitt im Fuhrpark ist entscheidend, denn die swa müssen diesen nach und nach alle zehn Jahre verjüngen. „Ein Buskauf ist bei uns immer das Ergebnis vieler Überlegungen und Anforderungen“, ergänzt Stefan Schmid, Leiter Einkauf bei den swa. „Wir kaufen nicht einfach ein Fahrzeug – wir entscheiden uns für ein System, das viele Jahre im Alltag funktionieren muss und unsere Fahrgäste sicher von A nach B bringt.“ Der ganze Prozess beginnt mit der sogenannten Markterkundung: Hersteller werden eingeladen, Fachmessen besucht, technische Details analysiert. Wie weit kommt ein Bus mit einer Batterieladung? Wie zuverlässig ist die Technik im Winter? Und: Wie lässt sich ein eBus reparieren und was ist dafür nötig?
Das Herzstück des eBusses: die Batterie
Im Zentrum aller Überlegungen steht ein Bauteil: die Batterie. Früher war der Motor das Herzstück – heute ist es die Batterie. Reichweite, Lebensdauer und Sicherheit werden detailliert bewertet. Gerade Themen wie die Heizung und Kühlung sind entscheidend. Gleichzeitig fließen auch Erfahrungen aus der Stadtgesellschaft ein. „Wir haben uns früh mit dem Behindertenbeirat ausgetauscht“, erzählt Becker. „Das hat uns geholfen, Details wie Innenraumgestaltung oder Farbgebung besser zu planen.“ Auch Anforderungen aus der Praxis waren entscheiden: So wurden Fahrerinnen und Fahrer in Workshops eingebunden, Werkstattmitarbeitende lieferten Erkenntnisse zu Wartung und Instandhaltung. Am Ende entsteht ein sogenanntes Lastenheft – ein Dokument mit 558 Kriterien, die festlegen, was ein Bus können muss. Einige davon sind zwingend. Ist ein Bus zum Beispiel zu hoch, scheidet er sofort aus, denn er würde nicht in die Werkstatt oder durch die Unterführungen passen. Andere Kriterien bringen Extra-Punkte: zum Beispiel zusätzliche Assistenzsysteme oder überdurchschnittliche Reichweiten. Erfüllt der Hersteller alle Vorgaben, erhält er die vorab definierte Anzahl an Punkten, bei Extraleistungen entsprechend auch mehr. „Wir bewerten nicht nur den Kaufpreis, sondern die Lebenszykluskosten, Vertragsbedingungen und Technik mit Punkten – nur so finden wir die wirtschaftlichste Lösung“, stellt Stefan Schmid klar. Denn genau darum geht es am Ende - das beste Gesamtpaket.
Vom Wettbewerb zur Entscheidung
Die Fahrzeugbeschaffung ist das Ergebnis der Arbeit vieler Mitarbeitenden aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Wenn alle Anforderungen feststehen, beginnt die Ausschreibung. Sie wird europaweit veröffentlicht, interessierte Hersteller können sich dann bewerben und mit Referenzen, Zahlen und Erfahrungen beweisen, dass sie geeignet sind. Im sogenannten Verhandlungsverfahren werden geeignete Anbieter ausgewählt, ihre Angebote geprüft und in mehreren Runden verhandelt. „Wir gehen bewusst in den Dialog mit den Herstellern. So können wir Angebote nachschärfen und sicherstellen, dass sie wirklich zu unseren Anforderungen passen“, beschreibt Schmid den Vorteil dieses Vorgehens. Am Ende zählt jede Nuance: Lieferzeiten, Garantien und technische Details – alles fließt in die finale Bewertung ein. Auch Fördermittel spielen eine wichtige Rolle, denn eBusse sind deutlich teurer als herkömmliche Fahrzeuge. Das wirtschaftlichste Angebot mit der höchsten Punktzahl erhält schließlich den Zuschlag. Doch selbst dann ist noch nicht Schluss: „Unser Wunsch ist es, Vorläuferfahrzeuge zu prüfen. Erst wenn wir sehen, dass alles unseren Anforderungen entspricht, kann die Serienproduktion beginnen“, sagt Becker.
Nicht nur die eBusse stehen bei den swa im Vordergrund, auch die Elektromobilität ist ein wichtiges Thema. Diese noch alltagstauglicher machen, das ist das Ziel der neuen eMobilitätsstrategie der Stadtwerke Augsburg. Um den steigenden Bedarf an Lademöglichkeiten zu decken, verdoppeln die swa ihre eigene eLadeinfrastruktur in diesem Jahr auf mindestens 200 Ladepunkte. Teil der Strategie ist auch, ein Stromnetz aufzubauen, das für die Zukunft gerüstet ist, sowie die Einführung neuer Preise an den swa eLadesäulen. Die neue eLadekarte der swa können Interessierte online beantragen.
Mobilität im Wandel
Heute sind eBusse bei den swa noch im Aufbau – zwei Pilotfahrzeuge sammeln derzeit schon Erfahrungen im Fahrgastbetrieb. Doch der Weg ist klar: Die Flotte wird sich Schritt für Schritt verändern – leiser und technisch immer ausgereifter. Bei diesem Projekt wird aber eines deutlich: die Beschaffung ist Teamarbeit. Viel Fachbereiche mit unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen sind nötig, damit der eBus schließlich auf dem Hof steht. Es entsteht aber auch mehr als ein Fahrzeug: ein präzises geplantes Zusammenspiel aus Technik, Wirtschaftlichkeit und Verantwortung für die Stadt.
Foto: swa/Thomas Hosemann


