Klare Linie

Stefanie Rohde, bei der Stadtwerke Augsburg Verkehrs-GmbH zuständig für die Bereiche Fahrbetrieb / Verkehrstechnik, lüftet die Geheimnisse hinter, über und auf den Linien von Bus und Tram.

Mitfahrgelsenheit (Mfg): Wer arbeitet alles daran mit, Linien zu planen und aufzubauen?
Stefanie Rohde: Das geht quer durch den ganzen Verkehrsbereich. Schließlich sind von einer Änderung auch immer alle betroffen: Grundsatzplanung in Abstimmung mit der Stadt, Bauabteilung für neue Haltestellen, Daten- und Signaltechnik, Fahrzeug- und Personalplanung, Fahrplan-Management, Ausbildungsabteilung für die Schulung der neuen Linienführungen, der Haltestellenservice, Marketing … Bei einer reinen Linienumstellung wie im Dezember 2016 bedeutet das natürlich nicht so viel Aufwand wie bei einer völligen Neuplanung, wie zum Beispiel bei der Verlängerung der Linie 3, wo auch bauliche und rechtliche Fragen im Vorfeld zu klären sind.

Mfg: Auf welche Gegebenheiten müssen Sie dabei Rücksicht nehmen?
Stefanie Rohde: Zuallererst auf die Wünsche unserer Kunden. Wir hören und schauen genau hin, was sich in der Stadt verändert und bewegt – darauf wollen wir so schnell wie möglich reagieren. Auch das war der größte Treiber für die Umstellung im Dezember 2016, aber auch für die neue Buslinie 44 als schnelle Verbindung zwischen Hammerschmiede und Hauptbahnhof.

Mfg: Welche Passagier-Aufkommen sind zu bewältigen?
Stefanie Rohde: Auf den bestehenden Strecken wissen wir ziemlich genau, wie viele unserer jährlich mehr als 60 Millionen Fahrgäste dort gerade unterwegs sind. Bei der Erschließung neuer Gebiete, etwa dort, wo zusätzlicher Wohnraum entstanden ist, verknüpfen wir Erfahrungswerte mit konkreter Marktforschung, um herauszufinden, wer, wann und wie oft mit uns fahren will.

Mfg: Welche Reisezeiten auf einer Linie sind akzeptabel – gerade wenn Umsteigen erforderlich ist?
Stefanie Rohde: Noch einmal das Beispiel 44er Bus. Weil der 23er auf seinem Linienweg künftig auch die Kleesiedlung und das Zentrum Lechhausens im Bereich der Klausstraße erschließt, ist er länger unterwegs. Darum haben wir eine schnelle Alternative geschaffen. Die Linie 44 erschließt erstmals auf direktem Weg das Bleichviertel (Haindl, Stephingerberg, Klinik Vincentinum) mit der Innenstadt. Oder wir haben den 22er aus dem Stau geholt und bedienen zugleich verstärkt Maximilianstraße, Margaret und City Galerie. Die optimale Reisezeit lässt sich nicht in Minuten und Sekunden messen, sondern daran, dass es zügig vorangeht. Darum achten wir auf möglichst kurze Umsteigezeiten – und möglichst wenige Umstiege unterwegs. Die Drehscheibe Königsplatz steht dabei im Mittelpunkt.

Mfg: Wie und wo lassen sich Umsteigeströme steuern?
Stefanie Rohde: Durch ein überzeugendes, schlüssiges Streckenangebot. Wer auf dem Netzplan auf Anhieb am schnellsten erkennt, wie er von A nach B kommt, entscheidet sich instinktiv für den richtigen „Strom“.

Mfg: Welche Nummer soll eine Linie erhalten und nach welchen Kriterien werden diese vergeben?
Stefanie Rohde: Es gibt hier eine Mischung aus Tradition – Tramlinien immer einstellig, Buslinien erst ab „20“ – und Orientierungshilfe. Linien mit benachbarten Zahlen sind auch im Netz Nachbarn, der 22er und 23er zum Beispiel. Neue Linien erhalten neue Nummern, derzeit aus dem „40er“-Bereich, um Verwechslungen vorzubeugen.

Mfg: Warum werden Linien überhaupt geändert?
Stefanie Rohde: Weil sich Verkehrsströme ändern und das Leben in der Stadt neue Schwerpunkt findet. Ein Beispiel, an das sich vor allem Ältere sicher noch erinnern, war der Tausch von Streckenästen bei der 1er und 2er, als der Königsplatz das erste Mal umgebaut wurde. Seitdem fährt die 1er zwischen Göggingen und Lechhausen und verbindet wichtige Außenzentren mit der Stadtmitte. So, wie es die 4 mit Oberhausen leistet, die 3 mit Pfersee und Univiertel oder die 6 mit Hochzoll und Herrenbach. Kurzum: Weil das Netz lebt und wächst, wird es immer wieder mal neu sortiert. Das geschieht stets mit dem Ziel, die Linien möglichst gleichmäßig auszulasten, die einzelnen Stadtviertel zuverlässig und schnell zu verbinden, sowie den Passagieren größtmöglichen Umsteigekomfort anzubieten.

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