„Grüß Gott, die Fahrscheine, bitte.“

Jeder Fahrscheinprüfer nimmt täglich 400 bis 600 Tickets in die Hand. Das Ziel ist jedoch nicht nur, Schwarzfahrer zu erwischen – die Fahrscheinkontrolle verfolgt auch noch ein weiteres, mindestens genauso wichtiges Ziel.

„Grüß Gott, die Fahrscheine, bitte.“ Kaum hat sich die Straßenbahn in Bewegung gesetzt, legt das Team um Fahrscheinkontrolleurin Conny los. Es muss schnell gehen, denn die nächste Haltestelle ist schon in Sichtweite. Die Fahrgäste wühlen in ihren Geldbeuteln und Handtaschen, ziehen ihre Tickets raus und lassen Conny einen Blick darauf werfen.

Ein unangenehmer Moment – für beide Seiten

Ein Fahrgast bewegt sich allerdings nicht: Eine Dame mittleren Alters sinkt langsam in ihrem Sitz immer weiter nach unten. Es stellt sich heraus, dass die Dame heute ihr Portemonnaie zu Hause vergessen hat. Dieses Szenario kommt häufig vor, die Situation ist unangenehm. Bei allem Verständnis für den vergessenen Geldbeutel – einfach „laufen lassen“ kann Conny die Schwarzfahrerin aber trotzdem nicht. Am Ende ist es aber für die "blinde Passagierin" nur halb so wild. Sie ist Besitzerin eines Abos, das sie an diesem Tag nur eben unglücklicherweise nicht bei sich hat. Das sogenannte "erhöhte Beförderungsentgelt" in Höhe von 60 Euro wird somit nicht fällig. Wenn die Dame ihr Abo nachträglich im Kundencenter der swa vorzeigen kann, zahlt sie lediglich eine Bearbeitungsgebühr, die nur einen Bruchteil der 60 Euro beträgt.

Schwarzfahren auf Kosten der anderen

So glimpflich wie im oben beschriebenen Fall läuft es aber natürlich nicht immer ab. Tag für Tag nutzen Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel in Augsburg, ohne ein gültiges Ticket zu besitzen. Damit schaden sie jedoch nicht nur sich selbst, sondern vor allem den anderen Fahrgästen, wie swa Kontrolleurin Conny weiß: „Uns geht es bei der Fahrscheinkontrolle nicht darum, Schwarzfahrer an den Pranger zu stellen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es nicht in Ordnung ist, auf Kosten der Allgemeinheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren“, betont Conny. Betrachtet man die Zahlen, wird schnell klar, was sie meint: Von den rund 63 Millionen Fahrgästen, welche die swa jedes Jahr von A nach B bringen, erwerben 98 Prozent einen gültigen Fahrausweis. Doch zwei Prozent fahren schwarz – rund eineinviertel Millionen. Nimmt man an, dass alle einen Einzelfahrschein der Preisstufe 2 hätten erwerben müssen, wären das Umsatzeinbußen in Höhe von knapp 3,8 Millionen Euro – die letztendlich von den ehrlichen Fahrgästen mitgetragen werden müssen.

Kontrollieren ist nur „die halbe Miete“

Dennoch macht das Überprüfen der Tickets lediglich die Hälfte ihrer Arbeit aus – der Service am Fahrgast gehört genauso zu ihren Aufgaben. „Erst letztens hat uns ein Straßenbahnfahrer wegen eines offensichtlich verwirrten älteren Herren um Hilfe gebeten“, erzählt Conny. Sie und ihr Team haben sich um ihn gekümmert und ihn an die Polizei übergeben. Die hat ihn dann sicher nach Hause gebracht. Die Abwechslung ist es, die Conny so an ihrem Beruf liebt. „Jeder Tag ist anders. Wenn ich meinen Dienst antrete, weiß ich nie, was mich erwartet“, schwärmt sie. Der Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen aus allen Kulturen macht für sie ihren Job zu etwas Besonderem. Denn: Den typischen Schwarzfahrer gibt es nicht. Alt, Jung, Mann, Frau, Geschäftsführer oder Azubi – es gibt keine Gruppe, die nicht schwarzfahren würde.

Ein dickes Fell und gute Nerven

So groß Connys Leidenschaft für ihren Beruf ist, so dick muss auch ihr Fell sein. Denn es vergeht kein Tag, an dem verärgerte Schwarzfahrer ihre Wut nicht an den Kontrolleuren auslassen. Meist verbal, aber immer wieder auch in Form körperlicher Angriffe. Bei 400 bis 600 Fahrkarten, die Conny in einer Schicht kontrolliert, sind auch uneinsichtige Fahrgäste dabei. Doch sie hat über die vielen Berufsjahre hinweg Wege gefunden, diese Angriffe nicht persönlich zu nehmen. „Mit meinem Kontrollgerät sperre ich abends auch die verbalen Attacken der Fahrgäste weg“, erzählt Conny und ergänzt: „Der Großteil der Fahrgäste ist sehr nett und höflich, selbst wenn sie keine Fahrkarte in der Tasche haben.“

Foto: swa / Bernd Jaufmann

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