Der Tunnel stößt ins Herzstück vor

Von außen betrachtet verändert sich aktuell nicht viel am Augsburger Hauptbahnhof. Doch was viele von außen auch gar nicht sehen können: Innen, also im Empfangsgebäude und darunter, geht es jetzt erst richtig los! Bis 2023 sollen nämlich die ersten Straßenbahnen rollen.

Wer einen Blick durch die „Gucklöcher“ am Bauzaun des Hauptbahnhofs wagt, der sieht in letzter Zeit nicht viel Neues: Eine Menge Bauarbeiter wuseln über die Baustelle. Man entdeckt Eisengitter, Betonmischer und Baucontainer. Der Kran dreht geduldig seine Runden.
Doch was dem „Zaungucker“ verborgen bleibt: Im Inneren des historischen Empfangsgebäudes – und vor allem darunter – geht es derzeit richtig zur Sache. Die Vorbereitungen für die Untertunnelung des Bahnhofsgebäudes laufen auf Hochtouren.


Unablässige Überwachung aus gutem Grund


Damit dem historischen Gebäude nichts passieren kann, wenn es unter ihm richtig losgeht, wurde ein ausgeklügeltes System angebracht, das jeden Millimeter, den es sich während der Arbeiten bewegt, zuverlässig überwacht. „Wir wollen nicht riskieren, dass uns etwas entgeht, und überwachen deswegen alle statisch relevanten Bauteile technisch hinsichtlich Hebung und Setzung“, erklärt Bauleiter Lars Horn das aufwändige Monitoring.


Hydraulikpressen halten historisches Gebäude im Lot


Hierfür wurden Hydraulikpressen an den relevanten Stellen des Gebäudes installiert. Hebt oder setzt sich das Bahnhofsgebäude auch nur minimal, gleichen die Pressen die Differenz aus. Wegen dieser Konstruktion und zum Schutz des Gebäudes wurden die Fenster an der Front zugemauert: „Durch das Verschließen der Fenster mit Ziegeln haben wir einen größeren Angriffspunkt für die Lasten, die bei der Bewegung des Gebäudes entstehen“, erklärt Horn.
Im Gebäude selbst haben Bauarbeiter die Natursteinverkleidung von den Wänden genommen. Zudem bohren sie etwa kuchentellergroße Löcher in den Boden. Diese dienen als Einstichstellen für die Herstellung des sogenannten DSV-Körpers, durch den eine Baugrubensicherung unter dem Empfangsgebäude entsteht. DSV steht für „Düsenstrahlverfahren“.


Stabile Stütze – jetzt und später


Dabei wird in jedes der vorbereiteten Löcher eine Lanze eingeführt, die sich in den Boden bohrt. Hat sie die gewünschte Tiefe von 16 Metern erreicht, wird sie langsam herausgezogen – und dabei mit Hochdruck ein Bindemittel eingespritzt, das mit dem vorhandenen Erdreich einen betonartigen Körper bildet. Viele dieser kreisrunden Betonpfähle werden dann am Ende rechts und links des künftigen Tunnels eine durchgehende Schutzwand bilden.


Nicht graben, sondern „ausbaggern“


Steht die Baugrubensicherung, kann der Tunnel unter dem Bahnhofsgebäude ausgehoben werden. Eine Stahlkonstruktion, die unter den Rundbögen des Gebäudes angebracht wurde, schützt die Bahnhofshalle während der Unterfahrung. Durch den bereits fertiggestellten Tunnel in der Halderstraße wird sukzessive das Erdreich unter dem Bahnhofsgebäude nach draußen gebracht. Hier ist dann Geduld gefragt: Bei lediglich drei Metern Deckenhöhe können die Bauarbeiter nicht mit schwerem Gerät ran.
Doch bevor die eigentlichen Tunnelbauarbeiten beginnen, gilt es noch, ein „charmantes Hindernis“ aus dem Weg zu räumen. In der Bahnhofshalle, hinter der Mauer, wo einst die Fahrkartenautomaten aufgereiht waren, versteckt sich eine historische Treppe – die auch nach der Untertunnelung wieder an ihren „geheimen“ Platz zurückgebracht wird.
Stück für Stück und Hand in Hand wird auf dem Bahnhofsgelände das vielleicht wichtigste Zukunftsprojekt der Stadt Wirklichkeit. Es tut sich einiges und vor allem viel Neues…


Mehr Infos in der Infobox


Alle Infos rund um den Umbau beantworten Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 16 Uhr Experten in der projekt augsburg city Infobox direkt am Hauptbahnhof.

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