Der Herr der Ringe

Für den Bau eines Horizontalfilterbrunnens braucht es Ingenieurskunst, ein erfahrenes Händchen – und ein Dutzend circa 20 Tonnen schwerer Betonringe.

Der erste Ring ist entscheidend. Nur wenn Patrick von der Firma ABT Wasser- und Umwelttechnik GmbH diesen ersten Ring gerade in den Boden treibt, kann der Bau des Horizontalfilterbrunnens rund 30 Meter senkrecht in die Tiefe gehen. Nur wenige Millimeter Abweichung reichen und das ganze Projekt geht, im wahrsten Sinne des Wortes, schief.

Als der perfekte Standort für den dritten neuen Horizontalfilterbrunnen im Siebentischwald gefunden war, ging plötzlich alles ganz schnell: Das Baufeld wurde vorbereitet – die Bäume, die dafür weichen mussten, wurden an anderer Stelle wieder aufgeforstet. Nun ist dort Platz für die zwölf Brunnenringe, die am Ende in der Erde übereinandergestapelt den Förderschacht des neuen Brunnens ergeben.

Millimeterarbeit mit 20 Tonnen

Ein Ring aus Beton hat einen Innendurchmesser von 3,40 Metern und eine Wandstärke von circa 30 Zentimetern, ist 2,50 Meter hoch, etwa 20 Tonnen schwer und muss mit Fingerspitzengefühl in der Erde versenkt werden. Auf ihn kommt dann der zweite Betonring. Insgesamt zwölf Ringe werden aufeinandergestapelt, bis der Brunnenschacht fertig ist. Nur die Berufserfahrung von Patrick macht den Brunnenbau überhaupt möglich, denn wenn er in seinem Bagger sitzt, ist höchste Präzision gefragt.

In die Tiefe mit dem Bio-Bagger

Und dieser Bagger ist ein ganz besonderes Gerät: Nicht nur, dass er die Erde aus bis zu 30 Metern Tiefe nach oben befördern wird. Vor allen Dingen braucht er keine konventionellen Antriebsstoffe, um seine schwere Arbeit zu verrichten. Er wurde auf leicht abbaubares Bioöl umgerüstet, damit – sollte einmal ein Defekt den Bagger zum Stillstand zwingen – nichts in das sensible Grundwasser sickern kann.

Ein Ring gräbt sich seinen Weg

Der erste und entscheidende Ring hat an seiner Unterseite einen Schneidring aus Stahl, der wie ein Keil geformt ist und sich quasi in die Erde schneidet. Dabei hilft nicht nur das Gewicht der Ringe, die jeweils aufgesetzt werden, sondern vor allem die Baggertechnik. Denn ein Greifarm nimmt aus dem Inneren des Ringes Erde heraus, wodurch sich die Ringe nach und nach Absenken. Je nachdem, wo der Profi die Erde entnimmt, bohren sich die Ringe in den Boden. Nimmt er beispielsweise eher links Erde heraus, neigt sich der Ring auf dieser Seite stärker. Durch den vom Grundwasser durchspülten Boden gräbt sich der Ring so nach und nach in die Erde ein.

Jules Verne im Siebentischwald

Wenn der erste Ring soweit versenkt ist, dass nur noch der obere Rand über die Erdoberfläche hinausschaut, wird der zweite auf ihn gehoben. Die beiden Ringe werden miteinander verklebt und durch das Herausnehmen der Erde aus dem Inneren weiter in die Tiefe versenkt. So entsteht nach und nach die Brunnenhülle.

Wenn die vorgesehen Tiefe erreicht ist, dann kommen die Taucher zum Einsatz. Was aussieht, wie aus einem Roman von Jules Verne entnommen, ist die Spezial-Taucherausrüstung der Profis. Sie begradigen die Brunnensohle und reinigen den Schneidring, um der anschließend eingebrachten, mehreren Metern dicken Betonplombe, den nötigen Halt zu geben.

Ein Ring mit besonderen Fähigkeiten

Während die Betonringe aus der Ferne betrachtet wie ein Ei dem anderen gleichen, unterscheidet sich dennoch ein Ring bei näherer Betrachtung von den anderen. In seiner Außenhülle sind sechs Löcher vorgezeichnet. Dieser Ring ist der zweite, der versenkt wird, und ist daher später ganz unten in der Erde. Durch diese vorgezeichneten Löcher wird nach und nach ein „Schutzrohr“ mit 50 Metern Länge horizontal in den Boden eingepresst. Darin wird wiederum das sogenannte Filterrohr eingesetzt: Es ist ein Rohr aus Edelstahl, das kleine, etwa 0,6 bis 0,8 Millimeter breite Schlitze aufweist. Umgeben wird das Filterrohr von einem ganz besonderen Material: Kleine Glasperlen, etwa 1,0 bis 2,5 Millimeter dick, sind der perfekte Filter, den sie halten den tertiären Sand zurück. Wird dann das „Schutzrohr“ wieder eingeholt, sorgt der Glasperlenfilter dafür, dass nur sauberes Wasser und kein Sand in den Brunnenschacht fließt. Von oben betrachtet sieht der Horizontalfilterbrunnen aus wie eine Sonne mit sechs Strahlen.

Am Ende kommt die Technik

Sind die Arbeiten am eigentlichen Brunnen abgeschlossen, wird auf den Brunnen noch das Haus für die Technik aufgesetzt. Denn die Pumpen, die das Wasser aus der Tiefe holen, brauchen Strom. Außerdem dient das Häuschen als zusätzlichen Schutz, damit kein Unbefugter Zugriff auf dieses für die Trinkwasserversorgung so wichtige Bauwerk hat.

Im Herbst 2018 soll es so weit sein. Dann fließt das erste Glas Trinkwasser aus dem „Horizontalfilterbrunnen 820“ – und wird für Generationen eine wichtige Quelle für sauberes und natürlich gefiltertes Trinkwasser sein.

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